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29.03.2012
21:35

Von links nach rechts und zurück

Ein Moment familiärer Andacht: der Backenstreich, den Beate Klarsfeld dem deutschen Kanzler und ehemaligen Nationalsozialisten Kurt Georg Kiesinger am 7. November 1968 in Bonn verpasste. Unmittelbar im Anschluss an die großartige Geste dieser jungen Frau, die sich als Journalistin Zugang verschafft hatte, sah man, wie der Hofstaat der CDU herbeistürzte und die von den fünf Fingern einer zarten Hand gerötete Wange mit Streicheleinheiten bedachte. Seither haben die Klarsfelds meine Eltern, vor allem meine Mutter, und auch mich im Loiret, wo ich lebe, begleitet. Dort wo die Lager waren, von denen die Transporte von Männern, Frauen und schließlich von Kindern in die Todeslager ausgingen. Ich verpasse die Klarsfelds nie, wenn sie im Juli, dem Monat der Razzia von 1942, nach Beaune la Rolande kommen. Beate eher etwas im Hintergrund, hinter den Überlebenden, denn trotz jener Ohrfeige und Aufsehen erregender Aktionen in der Verfolgung von Kriegsverbrechern, muss sie, die Deutsche, naturgemäß Zurückhaltung üben, zumindest in Frankreich, ihrem Wahlaufenthaltsland seit sie erwachsen ist.

Jetzt erscheint auf einmal ihr Gesicht auf den Titelseiten der meisten deutschen Tageszeitungen in Verbindung mit einem wiederum spektakulären Event: Die Linke, auf dem Schachbrett der deutschen Parteien die linkeste, zu der auch einige ehemaligen Kommunisten der DDR zählen, hat sie zur Kandidatur für die Bundespräsidentenwahl ausgerufen. Traumhaft, aber natürlich hat der Vorschlag keinerlei Aussicht auf Erfolg gegen Joachim Gauck, den Kandidaten der Regierunskoalition und der übrigen Oppositionsparteien. Die haben sich am 19. Februar auf den 72 jährigen Pfarrer geeinigt, der in Zeiten der DDR für die Menschenrechte kämpfte und ohne Zweifel am 18. März 2012 der neue Präsident wird. Schließlich ist die Bedeutung des Amtes vor allem auch eine symbolische und moralische. Der vorherige Präsident Christian Wulf, Mitglied der CDU wie seinerzeit der geohrfeigte Kiesinger, ist im Februar 2012, durch einen Skandal kompromittiert, zurückgetreten. Er soll als Ministerpräsident Niedersachsens von dem Kredit über 500 000 Euro eines Finanzmaklers profitiert haben - ein Faktum, das auf dieser Seite des Rheins nicht einmal ein Stirnrunzeln hervorgerufen hätte...     

Wenn auch aussichtslos, die Kandidatur von Beate Klarsfeld wirft Fragen auf: In Frankreich zeigt sie sich an der Seite ihres Mannes Serge und ihres Sohnes Arno als unbeirrbare Unterstützerin des Kandidaten und bisherigen Präsidenten Nicolas Sarkozy. Bedeutet das, dass die französische UMP der deutschen radikalen Linken näher steht, als den deutschen Konservativen? Oder gewinnt manchmal eine Gefühlsbewegung die Oberhand über die Vernunft und das politisches Denken?

Symbol einer links-rechts Vermischung ist auch die Moskauer Iswestja, die mit der Revolution auf die Welt kam, mit jener von 1917, und die ihren Namen trotz einer Drehung um 180 Grad beibehalten hat. Mit großem Pomp feiert die Tageszeitung ihren 95. Geburtstag, stolz, dass sie das Ende der Sowjetunion überdauert hat. Einstmals war sie in der Hand des Staates, heute ist sie in der der Banken, einstmals war sie, ein wenig "intellektueller" als die Prawda, eine treue Unterstützerin der kommunistischen Partei, heute dient sie der Macht Wladimir Putins.

Aber der Stolz der Journalisten der russischen Tageszeitung ist nicht so sehr, dass sie die Wirren der Geschichte überwunden haben, sondern dass sie dem Ansturm der neuen Medien, des Internets und des wirtschaftlichen Übergang vom Sozialismus zum wildwüchsigen Kapitalismus standgehalten haben. Allerdings ist die Auflage von 1 Million in den Glanzzeiten auf 250 000 pro Tag abgestürzt.

Und: der Widerstand gegen Schicksalsschläge und Ansturm neuer Technologien hat auch ein paar Kompromisse gefordert, um nicht zu sagen eine kompromittierende Verbindung zur postsowjetischen Macht: da zeitweilig Eigentum von Gazprom, des staatlichem multinationalen Konzerns, hatten die Chefredakteure alle Mühe, wenn die Leitartikel allerhöchstes Missfallen erregten, wie im September 2004, nach der mörderischen Geiselaffaire in der Schule von Beslan in Nort-Ossetien.

Die Zeitung zieht es vor, anstelle eines Rückblicks auf glorreiche Stunden der Revolte von Kronstadt oder auf ihr Engagement für die Perestroika Gorbatschows, ihr Überleben nur mit einer Liste der weltweit ältesten,im wesentlichen angelsächsischen Zeitungen zu feiern, in der sie sich einer mittleren Position rühmen kann.  

   

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03.03.2012
12:41

Das Russland, Vaterland Vladimir Putins, hat männliches Geschlecht.

Wenn es in Russland eine Sache gibt, mit der nicht zu scherzen ist, dann ist es das "Vaterland". Man spricht das Wort allgemein nur mit einem gemischten Gefühl von Angst und Respekt aus, eine Folge der bewegten Geschichte der beiden letzten Jahrhunderte voller Schrecken und Getöse, die im Großen Vaterländischen Krieg, in Stalingrad ihren Höhepunkt fand. Zahlreich sind die quasi-religiösen Feiertage, manche entsprechen unseren wie der 9. Mai (statt des 8.), sowjetischer Jahrestag des Sieges über den Nazi-Agressor, dem 4 arbeitsfreie Tage folgen, eine Woche ist kaum zuviel, um sich an die 20 Millionen Toten zu erinnern, die der Kampf mit den Armeen Hitlers hinterlassen hat.

Dessen ungeachtet feiert man auch den 23. Februar. Das ist der Tag der Verteidiger des Vaterlands, man ehrt die Soldaten der großen vaterländischen Armee, denn am 22 J


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03.03.2012
11:31

Elfstedentocht: Caramba - nun doch nichts draus geworden!

Also sind sie nun doch nicht gestartet, die Eisläufer, die gestiefelt und bemützt schon an der Startlinie standen... Trotz der Temperaturen von -15° bis -2o° und obwohl die Sonne im Norden von Brügge und Antwerpen sehr auf sich warten ließ, hatten die holländischen Behörden entschieden, dass das Eis nicht hinreichend fest sei, Horden von Bataviern die Chance zu geben, andere zu überholen, sich selbst zu übertreffen, fast bis ins Jenseits zu gleiten und das über 200 km auf zugefrorenen Kanälen, vorbei an elf mythischen Städten in einem Rennen das nicht weniger mythisch. Das Eis wollte nicht dicker werden als 12 cm und muss doch mindestens die 20 cm erreichen damit tausende von Schlittschuhläufer/inne/n wie die Furien sich auf ihm austoben können. Der Winter kam zu spät und die Tage sind schon allzu lang...

Die Enttäuschung entpricht den Hoffnungen: eine Niederlage beinahe nationalen Ausmaßes und Bitterkeit so spürbar wie die der irischen Fans die nach der Annulierung der Begegnung Irland/Frankreich unverrichteter Dinge nach Dublin zurückfahren mussten. Nur dass die Elfstedentocht ein Gratisvergnügen ist und man weder Eintrittspreise zahlt noch überteuerte Hôtelbetten. Man braucht nichts als ein paar Schlittschuhe... Die in Holland sowieso jede/r hat.

Ein paar Glückliche kamen trotzdem auf ihre Kosten: während die Eisexperten die Strecke kontrollierten, fuhren ihnen ganz schlaue Männlein und Weiblein einfach hinterher und konnten so wenigstens ihre 40 km im vollen Geschwindigkeitsrausch und mit immensem Glücksgefühl dahinbrausen! Hoffentlich greift die polare Kälte im nächsten Jahr früher an und dauert länger... 

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08.02.2012
22:22

Unerträgliche Spannung vor dem Elf-Städte-Lauf in den Niederlanden

Die Bilder sind von oben aufgenommen, aus Hubschrauberentfernung. So nah wie möglich an den Menschen, wie um sie besser auszuspionieren. Wie emsig-fleißge Ameisen widmen sich Menschen in bunten Mützen dem weißen Schnee unter ihnen. Sie haben Schaufeln und Rechen in den Händen. Sie sind schwarz, rot oder blau gekleidet. Aus dieser Höhe sieht man ihre Gesichter nicht, weiß nicht was sie ausdrücken. Aber auch ohne zu sehen, weiß man Bescheid. Die Sorge geht um, sie ist mit Händen zu greifen...

Denn noch


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28.01.2012
11:36

Mein Frühstück bei Standard and Poor's

Der investigative Journalist des 21ten Jahrhunderts geht gern Risiken ein, um sich aktuelle Nachrichten zu den großen Gegenwartsthemen zu verschaffen. Wenn er zu den verhassten modernen Finanzinstituten recherchiert, zögert er folglich nicht einen Moment, ins Allerheiligste vorzustoßen, im gegebenen Fall in den Pariser Sitz der in letzter Zeit in Europa so beschimpften Agentur Standard & Poor's. Eines


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