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03.03.2012
12:41

Das Russland, Vaterland Vladimir Putins, hat männliches Geschlecht.

Wenn es in Russland eine Sache gibt, mit der nicht zu scherzen ist, dann ist es das "Vaterland". Man spricht das Wort allgemein nur mit einem gemischten Gefühl von Angst und Respekt aus, eine Folge der bewegten Geschichte der beiden letzten Jahrhunderte voller Schrecken und Getöse, die im Großen Vaterländischen Krieg, in Stalingrad ihren Höhepunkt fand. Zahlreich sind die quasi-religiösen Feiertage, manche entsprechen unseren wie der 9. Mai (statt des 8.), sowjetischer Jahrestag des Sieges über den Nazi-Agressor, dem 4 arbeitsfreie Tage folgen, eine Woche ist kaum zuviel, um sich an die 20 Millionen Toten zu erinnern, die der Kampf mit den Armeen Hitlers hinterlassen hat.

Dessen ungeachtet feiert man auch den 23. Februar. Das ist der Tag der Verteidiger des Vaterlands, man ehrt die Soldaten der großen vaterländischen Armee, denn am 22 Januar 1918 trat die "rote Armee der Arbeiter und Bauern" in die Geschichte ein; Initiative eines gewissen Leo Trotzki, der sie in aller Eile aufbaute, ohne viel Rücksicht auf demokratische Verfahren, bei aller von ihm proklamierten grundsätzlichen Freiwilligkeit. Zwei Jahre später standen bereits 5 Millionen Soldaten unter Waffen.

Aber der 23 Februar steht, seit er gefeiert wird, vor allem im Zeichen der Männer, wie eine Art Kontrapunkt vor dem 8. März, einer ebenfalls sowjetischen (aber auch amerikanischen) Einrichtung, dem Tag der Frauen. An jedem 23 Februar erreichen die Verkaufszahlen von Rasierschaum und Männersocken unverschämte Höhen. Eine gute Gelegenheit also für die ausgezeichnete Moskowskaja Prawda, sich über die Männlichkeit der vaterländischen Verteidigung Gedanken zu machen und über das Vergessen der Hälfte der russischen Bevölkerung. Dabei waren die Frauen seit der Gründung der UdSSR bei der Roten Armee dabei und auch in nicht geringer Zahl bei der berüchtigten Tscheka und standen ihren männlichen Kollegen auch in punkto Gewalt gegen Abweichler keineswegs nach. Manche waren gar berühmt für ihre "Feinarbeit" in diesen Dingen.

1941, als die UdSSR schließlich mit allen ihren Kräften am europäischen Chaos beteiligt ist, stürzten sich manche in die Schlacht, während andere die Waffenindustrie auf vollen Touren hielten. Heute findet man sie, sagt uns die Moskauer Tageszeitung dann noch, auf allen zivilen und militärischen Ebenen der russischen Verteidigungsanstrengungen. Das Blatt zitiert im übrigen alle überlebenden Heldinen (wahre und falsche) des großen Vaterlandes. Und dennoch sind es nach wie vor am 23 Februar die Damen, die ihren Herren Rasierschaum und Socken schenken, während die Herren sich hemmungslos besaufen: der 23 Februar, mitten im Winter, ist auch ein Tag aller Arten Besäufnissen.     

Dieses Jahr, 2012, eine Woche vor den Präsidentschaftswahlen nahm Wladimir Putin, ex-Präsident, ex-Premier und bald der nächste Präsident, den 23. Februar zum Anlass um seinen erhitzten, im Louschniki-Stadion in Moskau versammelten, Anhängern zuzurufen: "Wir sind eine Siegernation, das haben wir in den Genen!"

"Lasst uns vor Moskau sterben / Wie unsere Brüder zuvor / Zu sterben wir versprachen / Dem Versprechen blieben wir treu "

Fünf Männer und nur Männer stellen sich diesmal zur Wahl. Da ist Testosteron willkommen und gefragt in den letzten Tagen vor dem großen Ereignis.

(ks@aleph99.org)Gravatar: Forward articlePermalinkTrackback link
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